20. Dezember

Josef

Was mag Josef wohl bei sich gedacht haben, als er da im Stall zwischen Ochs und Esel stand? Ausgerechnet in der Nacht, in der sich keine Unterkunft in Bethlehem finden ließ und nur ein Stall übrigblieb, ausgerechnet in dieser Nacht musste es zur Geburt kommen. Da liegt nun das Kind in Windeln gewickelt in der Krippe. Hätte es nicht einen besseren Platz verdient als bei den Tieren im Stall? Doch dann hob über dem Stall der Gesang der Engel an und die Hirten von den Feldern kamen mitten in der Nacht, fielen vor dem Kind nieder und beteten es an: Welche Gedanken sind da dem Josef durch den Kopf gegangen?
Die Bibel überliefert keinen Satz von ihm. Wie ein stummer Statist steht er neben dem Geschehen. Fast scheint es, als gehöre er gar nicht dazu. Nichts Nennenswertes gibt es von ihm zu berichten. Und so verliert sich die Spur des Josef in der Erzählung des Evangelisten Lukas.
Anders ist es bei Matthäus. Er weiß mehr von Josef zu erzählen. Schließlich stammt Josef von König David ab, ist also aus königlichem Geschlecht. Und darum schenkt Matthäus ihm besondere Aufmerksamkeit. Aber auch bei ihm bleibt Josef stumm. Kein Wort, kein Ausspruch ist von ihm überliefert. Umso intensiver und reicher aber wird von dem berichtet, was in Josef vorging: von seinen Träumen. Es sind intensive Träume. Ein Engel spricht zu ihm und weist ihn an, was er tun soll. Und Josef gehorcht. Er tut, was der Engel ihm sagt. Wortlos, ohne Widerrede, ohne viel Aufhebens. Schon zu Beginn der Schwangerschaft, als Josef Maria verlassen wollte, bleibt er auf Anweisung des Engels ihr treu. Nachdem die Weisen mit ihren Geschenken dem Kind ihre Aufwartung gemacht hatten, befiehlt der Engel Josef im Traum, mit Maria und dem Kind nach Ägypten zu fliehen, um dem Hass des Herodes zu entgehen. Und später ist es wiederum ein Engel, der Josef im Traum befiehlt, aus Ägypten zurückzukehren. Und nochmals im Traum wird ihm gesagt, nicht nach Bethlehem, sondern nach Nazareth zu gehen.
War Josef also ein realitätsferner Träumer, an dem das Leben vorbeilief? Nein, keinesfalls! Josef ist der stille Betrachter. Und gerade darin nimmt er an allem teil: Er nimmt wahr, was geschieht und lässt es auf sich wirken. Wie schon sein Namensvetter Josef, der Sohn Jakobs, steht er in seinen Träumen in Verbindung mit Gott. Er hört auf die innere Stimme und lässt sich davon leiten. So kann er dem Kind ein guter Vater sein, es durch die Gefahren leiten und in Fürsorge begleiten.
Schauen Sie sich den Josef an, wie er an der Krippe steht! Der stille Betrachter kann auch uns dazu anleiten, dem lauten Lärmen der Welt zu entfliehen, vor der Krippe inne zu halten und über das Geheimnis der Geburt Jesu nachzusinnen.

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